Kolik ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für Bauchschmerzen beim Pferd – und sie gehört zu den häufigsten Notfällen im Stall. Weil der Verlauf unberechenbar ist, zählt vor allem eines: früh erkennen und sofort handeln.
Warum Pferde so kolikanfällig sind
Der Verdauungsapparat des Pferdes ist auf fast durchgehende Aufnahme kleiner Raufuttermengen ausgelegt. Der Magen ist im Verhältnis klein, Erbrechen ist anatomisch nicht möglich, und der lange Darm liegt in weiten Teilen frei in der Bauchhöhle. Futterumstellungen, Bewegungsmangel, zu wenig Wasser, Sandaufnahme, Wurmbefall oder Zahnprobleme bringen dieses System schnell aus dem Takt.
Diese Anzeichen solltest du kennen
Pferde zeigen Schmerz unterschiedlich deutlich. Typisch sind:
- Scharren, häufiges Umschauen oder Beißen zur Flanke
- Wiederholtes Hinlegen und Aufstehen, Wälzen, Hundesitz
- Flehmen, Schwitzen, erhöhte Atem- und Herzfrequenz
- Kein Interesse an Futter, Heu bleibt unberührt
- Wenig oder gar kein Kot, veränderte Konsistenz
- Apathisches, in sich gekehrtes Stehen in der Boxenecke
Wichtig zu wissen
Jede Kolik ist ein Fall für die Tierarztpraxis – auch eine, die nach kurzer Zeit „wieder besser“ aussieht. Ob eine harmlose Krampfkolik oder eine lebensbedrohliche Darmverlagerung vorliegt, lässt sich von außen nicht unterscheiden.
Was du bis zum Eintreffen des Tierarztes tun kannst
- Sofort in der Tierarztpraxis anrufen – vor allen weiteren Maßnahmen
- Futter entfernen, Wasser stehen lassen
- Puls, Atmung und Temperatur messen und notieren
- Das Pferd ruhig im Schritt führen, wenn es sich führen lässt
- Heftiges Wälzen möglichst verhindern, ohne dich selbst zu gefährden
- Keine Schmerzmittel auf eigene Faust geben – sie verschleiern den Befund
- Box einstreuen und Transportmöglichkeit in die Klinik vorbereiten
Wie behandelt wird
Die meisten Koliken lassen sich konservativ behandeln: mit Schmerz- und Krampfmitteln, Nasenschlundsonde, Infusionen und engmaschiger Kontrolle. Rektale Untersuchung und Ultraschall zeigen, ob eine Verlagerung oder ein Verschluss vorliegt. In einem kleineren Teil der Fälle ist eine Operation in der Klinik nötig – und die Prognose hängt dann maßgeblich davon ab, wie schnell das Pferd dort ankommt.
Vorbeugen im Stallalltag
- Raufutter über den Tag verteilt, Fresspausen möglichst kurz halten
- Kraftfutter nur in kleinen Portionen, Umstellungen über ein bis zwei Wochen
- Immer freien Zugang zu sauberem Wasser, im Winter frostfrei und angewärmt
- Tägliche Bewegung, auch an freien Tagen
- Sandaufnahme auf abgefressenen Koppeln vermeiden
- Regelmäßige Zahnkontrolle und ein abgestimmtes Entwurmungskonzept
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Kolik wende dich bitte umgehend an deine Tierarztpraxis oder eine Pferdeklinik.
Gut abgesichert für den Ernstfall
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