Hufrehe gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen, die ein Pferd treffen können – und sie entscheidet sich oft in den ersten Stunden. Wer die Anzeichen kennt und sofort handelt, verbessert die Prognose erheblich.
Was bei einer Hufrehe passiert
Im Huf verbindet die sogenannte Huflederhaut das Hufbein mit der Hornkapsel. Bei einer Rehe entzündet sich dieses Gewebe. Die Verbindung lockert sich, das Hufbein kann sich absenken oder rotieren. Weil die Hornkapsel starr ist, kann die Schwellung nicht ausweichen – daher die extremen Schmerzen. Je länger die Entzündung läuft, desto größer der bleibende Schaden.
Häufige Auslöser
- Störungen im Zuckerstoffwechsel, vor allem EMS und Cushing (PPID) – die mit Abstand häufigste Ursache
- Zu viel fruktanreiches Gras, typischerweise im Frühjahr und nach kalten Nächten mit sonnigen Tagen
- Große Mengen Stärke, etwa durch zu viel Kraftfutter auf einmal
- Überlastung eines Beins, wenn das andere verletzt ist (Belastungsrehe)
- Schwere Allgemeinerkrankungen, zurückgebliebene Nachgeburt, Vergiftungen
- Bestimmte Medikamente, insbesondere hoch dosierte Kortikosteroide
Diese Anzeichen zählen
Meist sind beide Vorderhufe betroffen. Typisch ist:
- Trippelnder, klammer Gang, besonders auf hartem Boden und beim Wenden
- Die typische Entlastungshaltung: Vorderbeine weit nach vorn gestellt, Gewicht auf der Hinterhand
- Widerwille aufzustehen, häufiges Liegen
- Deutlich warme Hufe und ein kräftig pochender Puls an den Fesselarterien
- Schmerzreaktion bei Druck auf die Hufsohle vor der Hufspitze
- Schwitzen, erhöhte Atem- und Herzfrequenz
Wichtig zu wissen
Hufrehe ist immer ein Notfall – auch dann, wenn das Pferd auf weichem Boden noch erträglich läuft. Jede Stunde ohne Behandlung erhöht das Risiko, dass sich das Hufbein verschiebt. Das lässt sich später nicht mehr rückgängig machen.
Was du sofort tun kannst
- Umgehend die Tierarztpraxis anrufen
- Das Pferd stehen lassen, nicht führen und nicht longieren
- Von der Weide holen, Kraftfutter und Saftfutter absetzen, nur Heu und Wasser anbieten
- Dick und weich einstreuen, damit die Hufe einsinken können – Späne oder Stroh hoch bis in die Ecken
- Die Hufe kühlen, solange die akute Phase läuft, am besten dauerhaft bis über das Fesselgelenk
- Keine Schmerzmittel auf eigene Faust – sie verschleiern den Befund und verleiten zum Laufen
Wie behandelt wird
Die Tierarztpraxis kombiniert Schmerztherapie, Entzündungshemmung und eine orthopädische Unterstützung des Hufs, etwa durch Polsterverbände oder einen angepassten Beschlag. Röntgenaufnahmen zeigen, ob sich das Hufbein bereits bewegt hat, und sind die Grundlage für die weitere Hufbearbeitung. Fast immer schließt sich eine Ursachensuche an: Blutuntersuchung auf EMS und Cushing, Futterumstellung, Gewichtsmanagement.
Vorbeugen
- Pferde mit Übergewicht konsequent abspecken – der größte Hebel überhaupt
- Anweiden über zwei bis drei Wochen langsam steigern
- Bei empfindlichen Pferden fruktanreiche Zeiten meiden: Sonnige Tage nach kalten Nächten, abgefressene oder frisch gemähte Weiden
- Kraftfutter nur in kleinen Portionen, stattdessen rohfaserbetont füttern
- Ab etwa 15 Jahren regelmäßig auf Cushing testen lassen
- Regelmäßige Hufbearbeitung im passenden Intervall
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Hufrehe wende dich bitte umgehend an deine Tierarztpraxis.
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