Meerschweinchen gelten als unkomplizierte Einsteigertiere. Tatsächlich haben sie klare Ansprüche – und die meisten gesundheitlichen Probleme entstehen, wenn diese nicht erfüllt werden.
Niemals allein
Meerschweinchen sind hochsoziale Rudeltiere, die ständig über Laute miteinander kommunizieren. Einzelhaltung bedeutet dauerhaften Stress und ist nicht artgerecht. Ein Kaninchen ist kein Ersatz: Beide Arten sprechen eine andere Körpersprache, haben andere Futterbedürfnisse und können einander nicht verstehen.
Bewährt haben sich Gruppen ab drei Tieren, etwa ein kastrierter Bock mit mehreren Weibchen oder eine reine Weibchengruppe.
Platz: mehr als die meisten Käfige bieten
Handelsübliche Käfige sind fast immer zu klein. Als Orientierung gelten mindestens zwei Quadratmeter zusammenhängende Grundfläche für zwei bis drei Tiere, mehr ist besser. Etagen ersetzen Grundfläche nicht – Meerschweinchen klettern kaum, sie rennen.
- Mehrere Häuschen mit je zwei Ausgängen, damit kein Tier in die Enge getrieben wird
- Tunnel, Brücken und Raumteiler für Struktur und Sichtschutz
- Standort hell, zugfrei, nicht in der prallen Sonne und nicht direkt an der Heizung
- Einstreu saugfähig und staubarm, darüber eine dicke Schicht Heu
- Außengehege nur gesichert gegen Greifvögel, Katzen und Ausbruch, mit Schattenplatz
Wichtig zu wissen
Meerschweinchen können Vitamin C nicht selbst bilden – anders als fast alle anderen Säugetiere. Ohne tägliche Zufuhr über frisches Futter entsteht Mangel mit stumpfem Fell, Gelenkbeschwerden und schlechter Wundheilung. Vitaminpräparate im Trinkwasser sind kein verlässlicher Ersatz, weil sie schnell zerfallen und das Wasser verderben lassen.
Futter
- Heu rund um die Uhr – Hauptfutter und gleichzeitig der wichtigste Zahnabrieb
- Täglich Frischfutter: Paprika, Fenchel, Gurke, Sellerie, Petersilie, Grünkohl, Endivie, Feldsalat
- Langsam an neue Sorten gewöhnen, immer kleine Mengen zuerst
- Frisches Wasser täglich wechseln, Napf oder Flasche
- Nicht geeignet: getreidehaltige Fertigmischungen, Knabberstangen, Dröps, Brot, Avocado, Zwiebelgewächse
Warnzeichen, die keinen Aufschub dulden
- Das Tier frisst nicht und setzt keinen Kot ab – ab etwa zwölf Stunden ein Notfall
- Apathisches Sitzen in der Ecke, aufgeplüstertes Fell
- Feuchtes Kinn, Futter fällt aus dem Maul – Verdacht auf Zahnprobleme
- Kahle Stellen, Schuppen, starkes Kratzen – Verdacht auf Milben oder Pilz
- Hörbare Atemgeräusche, Niesen, Augenausfluss
- Gewichtsverlust – deshalb wöchentlich wiegen und notieren
Meerschweinchen verbergen Schwäche instinktiv. Wenn ein Tier sichtbar krank wirkt, ist es meist schon länger krank – Abwarten ist hier selten eine gute Idee.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei konkreten gesundheitlichen Anliegen wende dich bitte an eine auf Heimtiere spezialisierte Tierarztpraxis.
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